Der anständige Unternehmer im 21. Jahrhundert
"Gute Taten, das bedeutet den Ruin" so Berthold Brecht im guten Mensch von Sezuan.
Stimmt das wirklich? schließen sich Anstand und wirtschaftlicher Erfolg gegenseitig aus? Was unterscheidet den anständigen Unternehmer vom gemeinen Geschäftsführer?
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Begriff des ehrbaren Kaufmanns geprägt, den ich weiterhin als geeignetes Vorbild für den anständigen Unternehmer sehe. Dennoch gibt es heute einige Unterschiede zu diesem Kaufmann.
In den frühen Jahren des letzten Jahrhunderts war die Gesellschaft noch durch ein hohes Standesbewusstsein geprägt. Ein Kaumfann war dort qua Titel ein kreditwürdiger Kunde in einer Bank oder bei Zulieferen. Er hatte verschiedene Rechte und Pflichten, nicht nur gegenüber sich selbst, sondern auch und gerade gegenüber seinen Mitarbeitern und der Öffenlichkeit. Er hatte die Rolle in der Gesellschaft, Unternehmungen in Gang zu bringen und am Laufen zu halten und man konnte auf ihn vertrauen, machte er einmal krumme Geschäfte wurde er von der Gesellschaft und seinen Handelspartnern ausgestoßen. Mit das schlimmste Verbrechen, das er begehen konnte war ein Vertrauensbruch.
Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts hat uns gezeigt, mit Vertrauen ist es nicht mehr weit her, weder vertraut der Unternehmer seinen Mitarbeitern (Bahn, Telekom, Lidl), noch vertrauen die Kunden den Unternehmen, noch können sich die Menschen im Geschäftsleben untereinander trauen (ebay). Allerorten ist Vertrauensbruch zu einem Kavaliersdelikt geworden und wird der Betrug je nach Dreistigkeit, Cleverness und/ oder Eleganz sogar ehrenvoll gewürdigt.
Macht es in einer solchen Zeit überhaupt Sinn, Anstand zu fordern? Ich sage ja!
Damit Wirtschaft gelassen, schnell und geschmeidig funktionieren kann, braucht es Anstand. Nur wenn sich Geschäftspartner, die sich neu kennen lernen, bereits aufeinander verlassen können, dem anderen vertrauen dürfen, kann ein langfristig gutes Geschäft daraus werden. Heute stecken wir viel Energie in den eigenen Schutz vor Bertrug (Verträge, Markenrechte, Versicherungen usw.) und vor schadhafter Behandlung. Diese Energie fehlt für das worum es eigenlicht geht, die Unternehmung, das Vorwärtskommen, die Weiterentwickung/ Innovation.
Es ist wohl eine schwere Zeit für Menschen, die im Zusammenhang von Humanismus, wirtschaftlichem Wissen und einem gereiften Charakter dauerhaft verlässliche Geschäfte machen wollen.
Der Geist der Zeit, die beschworene Allmacht von Geschwindigkeit, Dynamik sowie Turbulenz und die weithin beklagte genzenlose Unmoral globaler Konkurrenz scheint Wirtschaft auf Basis von Werten und gefestigtem Charakter unmöglich zu machen.
Ich glaube, dass das nicht stimmt. Vielmehr handelt es sich um eine Sehnsucht, die in vielen Menschen weltweit ruht. Man möchte sich gerne (wieder) aufeinander verlassen können. Doch wenn die alten Rahmenbedingungen wie z.B. das Standesbewusstsein oder der beschränke Zugang zu Informationen und Märkten nicht mehr vorhanden sind und es auch unsinnig ist, sie zurück zu fordern, wie soll es dann gehen, wie hält man sich als anständiger Unternehmer im 21. Jahrhundert fit und wirtschaftlich erfolgreich?
Indem man die Chancen unserer Zeit für sich nutzt, ohne den gefestigten Charakter und die wirtschaftliche Intelligenz über Bord zu werfen.
Mensch oder Sache? Ethik und Moral entsteht fast von alleine, ausgehend von einer Grundsatzentscheidung!
Alles was mit einer Unternehmung, einer Firma zusammenhängt kann zum Menschen hin oder zur Sache hin betrachtet werden. Nehmen wir etwa eine Vertriebststruktur. Zum Menschen hin betrachtet macht ein Verkaufsvertreter Sinn, der einer bestimmten Anzahl von Kunden - vielleicht Regional abgegrenzt - alle Produkte und Leistungen verkauft, die sein Unternehmen anbietet. Zur Sache hin betrachtet macht eine Struktur Sinn, die den Kunden nach den für ihn interessanten Produkten ausfindig macht, anspricht und ihn bedient, ohne dass er einen verbidlichen Ansprechpartner hat.
So wie dieses Beispiel können alle Strukturen, Handlungen und Vorgaben im Unternehmen zum Menschen hin oder zur Sache hin betrachtet werden. Die Konsequenz, die aus dem Betrachtungswinkel entsteht ist die ordnende Kraft, die Antwort auf die Frage wer wen bestimmt, die Menschen die Sachen oder umgekehrt.
Ein anständiger Unternehmer wird die Welt und seine Firma immer zum Menschen hin betrachten, denn die Menschen sind der lebendige Teil seiner Organistion. Die Sachen sind wichtig und doch in ihrer Eigenschaft der tote Teil der Organisation. Ein anständiger Unternehmer versteht, dass der tote Systemanteil in keinem Fall den lebendigen bestimmen kann.
Wirtschaftliches Wissen - man kann nur führen, was man nicht messen kann!
Viele Glaubenssätze darüber wie man Unternehmen führt, steuert und kontrolliert sind aus der Hochzeit des Industriezeitalters geprägt. Eine Zeit, in der Effizienz die treibende Kraft hinter wirtschaftlichem Erfolg, Wachstum unbegrenzt möglich und Wohlstand für alle eine übergreifend gültige Wahrheit war. Die Erfolgsformel der Old School des Managements hat zwei Zutaten: Optimierung und Wiederholung. Diese Formel geht allerdings nur auf, wenn Rahmenbedingungen wie Wettbewerber, Innovation, Gesetzgebung, Finanzsysteme, Wissensplattformen, Institutionen etc. über mittel- und langfristige Zeiträume stabil sind. Das ist heute nicht mehr gegeben.
Die Erfolgsformel von heute stellt die sogenannten weichen Wirtschaftsfaktoren in den Mittelpunkt so etwas wie Meinung, Identifikation, Intuition, Intelligenzen, Empathie und Improvisation. Allesamt nicht eineindeutig meßbar, nicht standardisierbar, nicht programmiert implementierbar, nicht wirklich erzwingbar/ steuerbar. Die neuen wirtschaftlichen Erfolgsfaktoren sind menschlich und doch kann uns die Wissenschaft viel darüber sagen. Beispielsweise wissen wir von den sozialen Wissenschaften, dass über materielle Boni angereizte Menschen nachweislich schlechtere Leistung bringen als solche, die nicht angereizt wurden. Es ist bestätigt, dass große Gruppen mit dem richtigen Verfahren bessere Entscheidungen zu unsicheren Fragestellungen, wie beispielsweise der Unternehmensstrategie treffen als CEOs, Führungs- oder Expertengremien. Wir können nachweisen, dass die Kopplung von wirtschaftlichen Zielen mit dem Einkommen erstens zu Demotivation und zweitens zur Abschaltung von Intelligenz bei den Menschen führt.
Ein anständiger Unternehmer wird Glaubenssätze, die sich überlebt haben, zu überwinden suchen. Er wird sich die neuen Erkenntnisse aneignen und zu Nutzen machen, um seine Organisation robust zu machen, gegen die Wirren der Zeit.
Gereifter Charakter - Verbindlichkeit zählt mehr als der maximale Gewinn!
"Ich habe niemals einen wirklich großen Geschäftsmann gesehen, dem das Verdienen die Hauptsache war."
Walter Rathenau
Was mag im Sinne eines Unternehmers ein gereifter Charakter sein? Ein unreifer Charakter ist sicherlich der, der moralischen Anspruch, Respekt vor anderen Menschen oder Vertrauen im Nachgang zur Steigerung seines persönlichen Gewinns ansiedelt. Ein Unternehmer kann in seinem Leben vor viele kleine und wenige wichtige Entscheidungen gestellt werden und bei all diesen Entscheidungen steht ihm immer eine Alternative offen, Mensch zu bleiben. Unternehmer, die sich von ihrer Menschlichkeit entfernen und davon, als Mesnch Bestandteil einer sozialen Gruppe, einer Gemeinschaft zu sein, Unternehmer die sich dahin entwickeln wie die meßbare Maschine zu funktionieren und mehr nach der rechtlichen Interpretation des Möglichen Ausschau halten, anstatt das Sinnvolle zu betreiben, diese Unternehmer haben keinen gefestigten Charakter. Sie sind Profitopportunisten und hängen ihre Fahne in den Wind. Sie sind unfähig auch einmal gegen die aufkommenden Winde zu kreuzen. Ihr Problem, so kommt man nicht ans Ziel, stattdessen erreicht man immer und immer wieder die selbe Küste desselben Kontinents. Ein gefestigter Charakter ist keine Garantie für Erfolg und doch ist es die Vorraussetzung für außerordentlichen Erfolg.
Ein anständiger Unternehmer wird Gewinnmaximierung nicht vor die Stabilität, die Überlebensfähigkeit des Unternehmens stellen. Er wird nicht der Gier anheim fallen, die ihn Dummheit mit unternehmerischer Wagnis verwechseln lässt. Sein Streben nach Wirtschaftlichkeit und Profit ist geprägt von einem tieferen Sinn, mit dem sich andere Menschen identifizieren können und an den sie sich koppeln.
Sie sind ein anständiger Unternehmer oder auf dem Weg dahin und wollen sich für das 21. Jarhundert fit machen/ halten ohne ihren Anstand über Bord zu werfen.
In der Beratergruppe sinnvoll·wirtschaften haben wir ein Leistungsprotfolio speziell für Sie als Mensch hinter dem Geschäftsführer entwickelt. Machen Sie ihren Fitness-Check bei unserem Arbeitstreffen oder steigen Sie gleich ein in unser Personal Training.
- Gebhard Borck's blog
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