SinnEntKopplung (1): Einige der am besten bezahlten Berufe zerstören Werte – sozial wie ökologisch
Im Dezember wurde über die New Economic Foundation (nef), die sich selbst mit dem netten Untertitel versieht »economics as if pople and the planet mattered« eine Studie veröffentlicht, die sich mil dem Gesellschaftlichen Wert von Arbeit befasst.
In der Studie werden provokativ drei Hochverdiener - Investmentbanker, Steuerberaterin und Marketingchef - mit drei Niedrigverdienern- Putzkraft im Krankenhaus, Müllmann und Erzieherin - verglichen. Das kaum überraschende Ergebnis, während die Hochverdiener kaum gesellschaftlichen Nutzen stiften, ja sogar Schaden anrichten, bringen die Niedrigverdiener einen gesellschaftlichen Mehrwert, von dem ihr Einkommen nur ein Bruchteil ist.
Die Studie kann hier kostenlos herunter geladen werden:
Plusminus hat am 26. Januar einen Beitrag über die Studie gebracht, den ihr hier anschauen könnt (ein hoch auf die GEZ).
Neben dem scheinbar Offensichtlichen finde ich folgende Aspekte interessant:
- Ich war überrascht von der Höhe des Schadens, den die einzelnen Hochverdiener in unserer Gesellschaft anrichten. Die Steuerberaterin vernichtet danach mit jedem Euro den sie verdient 47 Euro gesellschaftlichen Wert.
- Ich fand die Zusammenhänge zwischen Arbeit und Gesellschaft spannend, die von den Autorinnen der Studie herausgebildet werden. So erreicht die Steuerberaterin diese unglaubliche Vernichtungsrate, indem sie Topverdienern hilft, mit Hilfe von Steuerschlupflöchern weniger Steuern zu zahlen – das ist zwar legal, aber vom Staat eigentlich nicht so intendiert. Wäre das Geld in den Staatssäckel gewandert, hätten eine Menge sozialer Projekte – wie etwa kostenloses Schulessen für alle Kinder und Jugendliche – finanziert werden können, die nun nicht zu Stande kommen.
- Es ist schön zu lesen, dass Autorinnen offensichtlich nicht gleich nach dem allmächtigen Staat schreien und vielmehr andere Perspektiven aufzeigen, wie ihre Erkenntnisse im Wirtschaftsleben Relevanz gewinnen könnten.
Ausgezeichnet finde ich, dass wir befähigt werden, uns auf konkreter und kapitalistisch verständlicher Ebene mit der Entkopplung vom Gesellschaftlichen Sinn zu beschäftigen und, dass diese Auseinandersetzung in wissenschaftlichen Arbeiten Ausdruck findet.
- Ich habe noch nicht recherchiert, ob die Studie im Detail einer fachlichen und wissenschaftlichen Kritik standhält im Sinne von:
- Können diese Vergleiche wirklich so gezogen werden
- Kann das spezifische Bild bezogen auf diese sicherlich mit Bedacht ausgewählten Berufe allgemein übertragen werden.
- Eignet sich die Analytik, um ähnliche Bewertungen für weitere Berufe anzustellen
und so weiter und so weiter.
Dennoch freut es mich außerordentlich, dass eine weitere Quelle dafür geschaffen wird, den Wachstumsgläubigen, Wettbewerbshörigen und Offensichtliche-Sinnentleerheit-Ignorieren etwas in ihrer Sprache entgegen zu setzen und auf der anderen Seite, denen, die ihrer Sehnsucht nach einer sinnerfüllten Wirtschaft zu erfüllen suchen der Rücken gestärkt wird.
In Vorfreude auf mehr davon!
Gruß Gebhard
- Gebhard Borck's blog
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